Dass Menschen in einem so reichen Land wie Deutschland Angst vor Armut haben müssen, ist nicht hinnehmbar!

7 Forderungen an die Politik

Wenn man sich die Zahlen anguckt, wird sehr schnell deutlich: Während der Reichtum in Deutschland immer weiterwächst, steigt die Zahl der Menschen, die in Armut leben oder armutsgefährdet sind. So war 2019 bundesweit jede*r sechste Bürger*in von Armut bedroht.

Die Schere zwischen Arm und Reich geht also immer weiter auseinander – und das in einem so reichen Land wie Deutschland. Armut zu bekämpfen sollte also eigentlich eine der wichtigsten Aufgaben der Politik sein. Leider bewegt sich dabei noch viel zu wenig.

Das muss sich dringend ändern!

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Arbeit, Beschäftigung
und Erwerbslosigkeit

Wer Arbeit hat, sollte eigentlich nicht von Armut betroffen sein. In Deutschland ist das trotzdem leider oft der Fall, denn mehr als 12 Prozent aller Erwerbstätigen sind befristet beschäftigt, sind als Leiharbeiter angestellt oder haben einen Minijob. Das bedeutet: Auch wer Arbeit hat, ist nicht vor Armut, insbesondere Altersarmut, geschützt. Ein besonders hohes Armutsrisiko tragen auch Erwerbslose. Während die Armutsgefährdungsquote von Erwerbstätigen 2018 bei 9 Prozent lag, waren im Vergleich fast 70 Prozent der arbeitslosen Menschen armutsgefährdet (Statistisches Bundesamt).

Dafür macht sich der SoVD stark:

2

Kinderarmut ist
Familienarmut

Kinderarmut ist in erster Linie Eltern- und Familienarmut. Mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland wächst in einer Armutslage auf – das sind hochgerechnet 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und Familien mit mehr als drei Kindern. Mehr als 45 Prozent aller Kinder im SGB II-Bezug wachsen bundesweit in einer Ein-Eltern-Familie auf. Für Kinder bedeutet Familienarmut, dass auch sie direkt von Armut betroffen sind: Es fehlt am Geld, um sich eine Fahrkarte für einen Besuch von Familie oder Freunden zu kaufen. Oder es kann kein Geburtstagsgeschenk gekauft werden. Häufig ist auch die Teilnahme an Klassenfahrten nicht möglich.

Dafür macht sich der SoVD stark:

3

Frauenarmut

Die Armut von Frauen hat viele Gesichter. Oft liegt die Armut von Frauen darin begründet, dass sie Kinder erziehen oder Angehörige pflegen. Frauen arbeiten dreimal häufiger in Teilzeit als Männer. Verglichen mit Männern sind Frauen während ihres Lebens doppelt so lang ohne bezahlte Arbeit. Ihre Rentenansprüche fallen entsprechend gering aus. Alleinerziehende tragen ein besonders hohes Risiko, arm zu werden.

Dafür macht sich der SoVD stark:

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Pflege darf kein Armutsrisiko sein

Gute Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie muss so finanziert werden, dass sie für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen kein Armutsrisiko darstellt. Die Belastung durch ständig steigende Eigenanteile muss gestoppt werden.

Die finanzielle Belastung eines Pflegebedürftigen in der stationären Pflege beträgt im Bundesdurchschnitt 2.015 Euro im Monat (Quelle: Aktuelle Zahlen des vdek zum Stichtag 1. Juli 2020).

Durch die geplante Deckelung der Eigenanteile auf monatlich 700 Euro wird das pflegebedingte Armutsrisiko nicht reduziert. Die durchschnittlichen Gesamtkosten liegen bei rund 2.000 Euro im Monat.

Dafür macht sich der SoVD stark:

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Altersarmut

Die Armutsgefährdung der 65-Jährigen und Älteren ist nach wie vor steigend. Armut im Alter ist weiblich: Etwa jede sechste Frau ist davon bedroht, aber nur jeder achte Mann. Deshalb müssen hier besonders dringend Maßnahmen eingeleitet werden. Die Grundrente kann nur der erste Schritt sein.

Dafür macht sich der SoVD stark:

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Gutes Wohnen – bezahlbar und barrierefrei

Die Versorgung mit bezahlbarem, angemessenem und barrierefreiem Wohnraum ist in städtischen Ballungszentren oft nicht mehr gewährleistet. Die Mietpreisentwicklung der vergangenen Jahre hat die soziale Spaltung weiter vertieft. Für Menschen mit mittleren und geringen Einkommen sind die Mieten inzwischen zu einem Armutsrisiko geworden.

Die Zahl der Sozialwohnungen ist bundesweit auf rund 1,14 Millionen gesunken. Sie wird in den nächsten fünf Jahren weiter sinken, weil immer mehr Sozialwohnungen aus der Sozialbindung fallen und dem sozialen Wohnungsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen.

Um die Versäumnisse der vergangenen Jahre zu korrigieren, sind erhebliche Anstrengungen erforderlich.

Dafür macht sich der SoVD stark:

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Armutsrisiko Behinderung

Menschen mit Behinderung tragen ein höheres Armutsrisiko als Menschen ohne Behinderung. Außerdem sind sie doppelt so häufig arbeitslos und das auch deutlich länger. Betroffene verdienen oft weniger, haben im Gegenzug aber einen höheren finanziellen Aufwand, um ihre Teilhabe an der Gesellschaft sicherzustellen. Diejenigen, die in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen arbeiten, sind ohnehin komplett vom allgemeinen Mindestlohn abgekoppelt. Junge behinderte Menschen finden häufig keinen Ausbildungsplatz.

Dafür macht sich der SoVD stark: